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Band XIII (1998) Spalten 1029-1034 Autor: Erich Wenneker
WIBALD, Abt v. Stablo und Corvey und Diplomat, * Frühjahr 1098 in Niederlothringen,
+ 19. Juli 1158 in Monastir/Mazedonien. - Wibald wurde im Frühjahr 1098
geboren. Er stammte aus einer niederlothringischen Familie unbekannten Namens,
die Ministerialen des Klosters Stablo waren. In der Klosterschule in Stablo
erhielt er nach eigenen Angaben den ersten Unterricht und ging 1115 nach Lüttich,
wo er Schüler des späteren Abtes Robert von Deutz wurde und eingehende
theologische Studien betrieb. Daneben bildete er sich in den sieben freien Künsten
weiter und beschäftigte sich mit Medizin und Agronomik. Am 19. März
1117 trat er in Waulsort südlich von Namur in den Benediktinerorden ein.
Da er über ein ausgezeichnetes Wissen verfügte, wurde er mit dem Amt
des Schulmeisters und daneben mit dem des Pförtners beauftragt. Außerdem
fertigte er gelegentlich Urkunden seines Klosters an. Am 16. November 1130 wurde
er zum Abt von Stablo und Malmedy gewählt. Von seiner Tatkraft und seinen
Fähigkeiten erhofften sich die Mönche eine Besserung der schwierigen
Lage der beiden Klöster, die seit alters her in Personalunion verbunden
waren. So wandte er sich verstärkt der Klosterdisziplin zu und es gelang
ihm, die Mißwirtschaft seiner Vorgänger zu bezeitigen. Er widersetzte
sich den zahlreichen Versuchen der Vögte und benachbarten Adeligen der
Klöster und betätigte sich als Förderer von Wissenschaft und
Kunst. Mit der Verbesserung der Lage der Klöster stieg auch das Ansehen
Wibalds. Er kam bald mit Personen aus der Kurie in Berührung und führte
einen umfangreichen Briefwechsel. Im Jahre 1135 nahm er Anfang Juni am Konzil
in Pisa teil, wo er den wegen Simonie angeklagten Lütticher Bischof Alexander
I. entschuldigte. Daneben verfügte er auch über gute Kontakte zu deutschen
Kaiser Lothar III. Er nahm an dem Italienzug Lothars teil und wurde mit dessen
Billigung am 19. September 1137 zum Abt von Monte Cassino gewählt. Wegen
der unsicheren Verhältnisse verzichtete er nicht auf die Würde in
Stablo und Malmedy. Als der Kaiser Italien verließ, wurde seine Lage in
Monte Cassino sehr schwierig und am 2. November 1137 floh er nach Norden und
verzichtete kurz danach brieflich auf seine Würde. Der neue Stauferkönig
Konrad III. nahm in gerne in seine Dienste. Seit Mai 1139 war er als Stilist
in der Reichskanzlei bei der Herstellung von Diplomen beteiligt. Er beriet den
König und seit 1144 führte er fast in gesamten Briefwechsel. Bald
wurde er auch mit diplomatischen Missionen getraut. Im Frühsommer 1146
war er Gesandter Konrads bei PapsT Eugen III. in Sutri. Nach der Rückkehr
von dieser Reise sollte er mit einer Aufgabe betraut werden, die seine Lebensaufgabe
wurde: die Klärung der Verhältnisse in der Reichsabtei Corvey. Ende
Mai 1543 war dort Abt Adalbero gestorben und am 1. Juni 1143 Heinrich von Bomeneburg
mit Gewalt zu seinem Nachfolger gewählt worden. Dieser erwies sich jedoch
als unfähig und wurde am 21. März 1146 nach einem kanonischen Prozeß
durch den päpstlichen Legaten, Kardinalpriester Thomas Sta. Vestiona abgesetzt
und kurz danach, wegen der Nichtbeachtung des Urteils, vom Bischof von Paderborn
exkommuniziert. Sein Nachfolger verstarb bereits nach kurzer Zeit und hinterließ
einen in zwei Parteien gespaltenen Konvent und ein in eine wirtschaftliche Notlage
geratenes Kloster. in dieser Zeit griff König Konrad ein und legte einigen
angesehenen Mönchen, die er nach Goslar rief, die Wahl Wibalds nahe. Am
20. Oktober 1146 wurde er zum Abt gewählt. Wegen der verworrenen Lage zögerte
er die Wahl anzunehmen, nahm sie jedoch nach einer Ausprache mit König
Konrad im Dezember an. Wibald begab sich unmittelbar nach der Wahl nach Corvey.
Er begann mit der Beseitigung der Mißstände und dem Rückerwerb
von entfremdetem Klostergut. Um eine weitere wirtschaftliche Gesundung zu erreichen,
strebte er die Inkorporation der beiden kleinen Kanonissenstifte Kemnade und
Fischbeck an, die trotz erheblicher Widerstände im März 1147 erfolgte.
Die sofortige Übernahme Fischbecks scheiterte jedoch am Widerstand einiger
sächsischer Ministerialen und des Grafen Adolf von Schauenburg. Kemnade
wurde in ein von Corvey abhängige Propstei umgewandelt und mit Mönchen
besetzt. Fisckbeck blieb trotz aller Entscheide selbständig. In der Zwischenzeit
versuchten seine Gegner bei Papst Eugen III. die Bestätigung der Wahl Wibalds
zu hintertreiben. Erst durch eine Sondergesandtschaft an den Papst am 22. Juni
1147 nach Meaux erreichte er diese Bestätigung. Mehrfach mußte er
sich aber gegen die Bemühungen der Fischbecker Äbtissin Judith wären,
die ihn 1148 beim Konzil von Reims verklagte. Im Sommer 1147 nahm er an dem
unglücklichen Slavenkreuzzug Konrads teil und wurde auch mit weiteren Missionen
beauftragt. Am 29. Dezember 1148 wurde er auf der Straße überfallen
und verletzt. Nachdem er sich davon erholt hatte, begann erneut der Kampf um
Kemnade, den er nun abver mit dem Mindener Bischof Heinrich I. führen mußte,
der von Anfang an gegen die Inkorporation der beiden Stifte war und in Fischbeck
selber eine Reform durchgeführt hatte. Dazu versuchte am 7. September 1149
Äbtissin Judith mit Waffengewalt, wieder in den Besitz von Kemnade zu gelangen.
Sein Versuch König Konrad als Verbündeten zu gewinnen, gelang erstz,
als er Weihnachten 1149 als Ratgeber des Königs für den diplomatischen
Schriftverkehr an den Hof berufen wurde. Als Lohn für seine mehrmonatige
Tätigkeit erhielt er am 20. April 1150 das Bergregal zu Eresburg für
seine Abtei Corvey verliehen. Nach zähen Verhandlungen mit dem Mindener
Bischof bekam Corvey im August 1150 Kemnade zugesprochen. Auf die Ansprüche
an Fischbeck verzichtete Wibald. In der folgenden Zeit hielt er sich oft im
Umkreis des königlichen Hofes auf und nahm auch am 17. September 1551 am
Reichstag in Würzburg teil und er zog auch weiter mit nach Italien. Als
nach dem Tode Konrads im März 1152 dessen Neffe Friedrich Barbarossa zum
König gewählt wurde, änderte sich Wibalds Stellung am Hof. Nach
Verärgerung über eine Zurücksetzung zog er sich aus dem großen
politischen Geschehen zurück und wandte sich stärker der Arbeit für
seine Klöster zu. In Corvey begann er nicht nur mit einer regen Bautätigkeit,
sondern er besondere förderte auch die Wissenschaften. Barbarossa ließ
sich aber von ihm in den Fragen der Diplomatie mit Byzanz beraten. Zwiemal wurde
er mit diplomatischen Missionen in Byzanz beauftragt. Bei der zweiten ist er
am 19. Juli 1158 bei der Heimkehr in Monastir in Mazedonien verstorben. Seine
Gebeine wurden dort ein Jahr später exhumiert und nach Stablo gebracht,.
wo sie am 26. Juli 1159 zur letzten Ruhe gebettet wurden.
Werke: Epistolae, hrsg. v. Philipp Jaffé, Bibliotheca rerum Germanicarum 1, Berlin 1864 (Nachdr. Aalen 1964) 76-622; Recueil des chartes de l'Abbaye de Stavelot-Malmedy, hrsg. v. Joseph Halkin/C. G. Roland, Bd. 1, Bruxelles 1909, Nr. 143-248; D. Urkunden Lothars III. u. d. Kaiserin Richenza, hrsg. v. Emil v. Ottenthal/Hans Hirsch, MG DD 8, Berlin 1927; D. Urkunden Konrads III. u. seines Sohnes Heinrich, hrsg. v. Friedrich Hausmann, MG DD 9, ein-Köln-Graz 1969; D. Urkunden Friedrichs I. 1152-1158, bearb. v. Heinrich Appelt u. a., MG DD 10,1, Hannover 1975; Urkundenbuch d. Stiftes Fischbeck, Teil I: 955-1470. Bearbeitet v. Heinrich Lathwesen u. Brigitte Poschmann, Schaumburger Studien, 39, Rinteln 1978.
Lit.: Annalium Corbeiensium continuatio saeculi XII et Histoiria Corbeiensis Monasterii annorum MCDLV-MCXLVII cum additamentis (Chronographus Corbeiensis). Fortsetzung d. Corveyer Annalen d. 12. Jh.s. u. d. Geschichte d. Klosters Corvey d. Jahre 1145-1147 mit Zusätzen (d. Corveyer Chronograph). Bearbeitet u. übers. v. Irene Schmale-Otto, Fontes Minores 2, Münster i. W. 1989; - Heinrich August Erhard (Hrsg.), Regesta Historiae Westfaliae mit Codex Diplomaticus, Bd. 2, Münster 1851; - Annales Laubienses, hrsg. v. Georg Waitz, MG SS 16, Hannover 1859 (Nachdr. 1959), 9-28; - Philipp Jaffé, Monumenta Corbeiensia, in: Bibliotheca rerum Germanicarum 1, 1864, 28-65 (Nachdr. 1964-Neuausgabe: Joseph Prinz, D. Corveyer Annalen. Textbearbeitung u. Kommentar, Münster 1982); - Paul Wiegand, Geschichte d. gefürsteten Reichsabtei Corvey u. d. Städte Corvey u. Höxter, Höxter 1819; - Ludwig Mann, W., Abt v. Stablo u. Korvey nach seiner politischen Tätigkeit, Diss. 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Liber Vitae d. Abtei Corvey. Studien zur Corveyer Gedenküberlieferung u. z. Erschließung d. Liber Vitae, hrsg. v. Karl Schmid u. Joachim Wollasch, Bd. 2,2, Wiesbaden 1989, 135-150; - Timothy Reuter, Gedenküberlieferung u. -praxis im Briefbuch W.s v. Stablo, in: D. Liber Vitae d. Abtei Corvey. Studien zur Corveyer Gedenküberlieferung u. z. Erschließung d. Liber Vitae, hrsg. v. Karl Schmid u. Joachim Wollasch, Bd. 2,2, Wiesbaden 1989, 161-177; - Hartmut Hoffmann, Bücher u. Urkunden aus Helmarshausen u. Corvey, Hannover 1992; - Jöcher IV, 1934 f.; - BnatBelg XXX, 814-828; - ADB XCII, 298-300; - Wetzer/Welti XII, 1421-1424; - LThK X, 1085 f.
Erich Wenneker
Letzte Änderung: 12.06.1998